Sigrun Peller

Autorin

Granny-Au-Pair: ein ulkiger Begriff verlangt nach Erklärung

Zum ersten Mal hörte ich 2011 von diesem merkwürdigen Begriff, von dem man überlegen könnte, ob es sich um einen Witz handelt, oder um eine Sozialkritik.
Es ist keines davon. Ich fand es nicht nur heraus, ich war fünf Jahre später selbst ein Granny-Au-Pair! Aber lassen Sie sich den genauen Sachverhalt von mir erklären:

Granny-Au-pair?

Während ein klassisches Au-Pair meist frisch von der Schule kommt und nicht älter als dreißig sein darf, handelt es sich bei einem Granny-Au-Pair um eine lebenserfahrene Frau. Bei älteren Frauen wird auch gerne der Begriff 'Leihoma' verwendet. Aber da runzelt sich die Stirn schon fast von selbst. 'Granny' klingt dagegen positiver.

Von einem 'Grandpa-Au-Pair' habe ich bisher noch nichts gehört, wäre aber auch denkbar. Dazu müssten Sie sich schlau machen! Vielleicht haben die leuchtenden Beispiele aktiver, lebenserfahrener, aufgeschlossener, kinderlieben und reisefreudigen Opas nur noch nicht gemerkt, dass es das gibt und Spaß machen könnte? Wer weiß! Da auf der Webseite, auf der ich meine Gastfamilie gefunden haben, nur Oma-Au-Pairs vermittelt werden, werde ich hier in meiner Erklärung auch nur von weiblichen Au-Pairs ausgehen.

Im Prinzip macht ein Granny-Au-Pair nichts anderes als ein klassisches Au-Pair.

Es entlastet die Gastfamilie, indem es die Kinder betreut und, wenn gewünscht, leichte Hausarbeiten verrichtet. Zeitaufwand und zu verrichtende Arbeit werden vorher abgesprochen. Dass ein Au-Pair Ziegelsteine herumwuchten und ein Haus mitbauen musste, habe ich jedenfalls noch nie gehört. Offiziell festgelegte Bestimmungen über Aufgaben und Pflichten gibt es nicht! Das wird individuell mit der Gastfamilie ausgehandelt.

Offizielle Gesichtspunkte gibt es aber durchaus:

Arbeiten darf ein Au-Pair nur wenn es ein Arbeitsvisum besitzt! Ich spreche hier freilich über neuseeländische Bestimmungen, in einem anderen Land mag das wieder anders aussehen.

Da das neue 'Familienmitglied auf Zeit' Wohnen, Essen, eventuell eine Automitbenutzung für Privatfahrten und Familienurlaub umsonst hat, wird die Höhe der Vergütung, trozt Arbeitsvisum und zwanzig Arbeitsstunden in der Woche, einem Taschengeld gleichkommen. Bei vierzig Arbeitsstunden in der Woche ist das schon wieder eine andere Geschichte und es bleibt mehr im Geldbeutel hängen!

Wo finde ich eine Gastfamilie?

Diese Frage wird auch im Buch 'Das Granny-Au-Pair Experiment' besprochen, aber Sie sollen diese Webseite nicht ohne Nutzwert in den Taschen verlassen:

Ich habe meine Gastfamilie auf der Webseite www.granny-aupair.com gefunden. Zuerst habe ich mich kostenlos angemeldet, um Gastfamilien sehen zu können, die ein Granny-Au-Pair suchen. Eine Familie davon hat mir besonders gut gefallen. Es war also eine reine Bauchentscheidung. Daraufhin habe ich eine dreimonatige Mitgliedschaft abgeschlossen, um mit der Gastfamilie Kontakt aufnehmen zu können … - Wie es dann in meinem Fall weiterging, können Sie in meinem unterhaltsamen Sachbuch 'Das Granny-Au-Pair Experiment' nachlesen. Sicher könnte man auch eine Kleinanzeige irgendwo schalten, aber ich würde mir mehr versprechen von einer spezialisierten Plattform.

Die Besonderheiten eines Granny-Au-Pairs

Na, da fällt einem doch gleich der Vorteil Nummer Eins des Alters ein, und das ist - Erfahrung. Gerade Erfahrung mit Kindern. Wahrscheinlich hat ein Granny-Au-Pair selbst welche aufgezogen und seine Blessuren und Narben in Würde verdient, bringt alsdann seinen Erfahrungsschatz in der Gastfamilie ein, so man das Au-Pair gewähren lässt.

Was könnte sich eine Gastfamilie am ehesten wünschen?

  • Zuverlässigkeit
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Autofahrkünste
  • Geduld
  • kindgerechte Umgangsformen
  • Haushaltskenntnisse, Kochkünste, Basis-Knowhow darüber, wie der Laden läuft.

Versetzen Sie sich nur mal in die Rolle einer Gastfamilie. Sie vertrauen einer fremden Person Ihr Zuhause, mehr noch, Ihre Kinder an. Sie sind ja selbst nicht immer daheim, wenn das Au-Pair das Zepter schwingt. Da möchte man sich in Sicherheit wiegen.
Sieht die Küche nach dem leckeren Kochen durch das Granny-Au-Pair sogar sauberer aus als davor? Solch eine Haushaltshilfe möchte man als Gastfamilie gar nicht mehr gehen lassen! Kostet zudem weniger als eine echte Haushaltshilfe!
Unter jungen Frauen oder Mädchen gegen Ende der Regelschulzeit, die die klassischen Au-Pairs ausmachen, dürften all diese Vorzüge eher dünn gesät sein.

Warum will ich eine Granny-Au-Pair sein?

Nicht nur die Gastfamilie, auch Sie selbst haben Erwartungen an diese Rolle. Was könnten Sie sich davon versprechen?

  • Sie haben gern mit Kindern zu tun, sind also kinderlieb
  • Sie möchten Familien unterstützen
  • Sie möchten generell Gutes tun und haben eine soziale Ader
  • Sie sind gern in Gesellschaft
  • Sie glauben daran, eine andere Kultur am besten durch Teilhabe in einer Familie kennenlernen zu können
  • Sie wollen eine Fremdsprache lernen oder verbessern, dazu im Land leben, in dem die Sprache (nicht gerade wie im Schulbuch) gesprochen wird
Allerdings sollte man sich dabei zurückhalten können und sich mit einer bescheidenen Rolle im Familiengefüge zufrieden geben. Sie sind natürlich auch nicht in einer Position, dort groß aufzuräumen und die Verhältnisse zu ändern. Sie halten den Ball flach, wollen sich keine Gelben und schon gar keine Roten Karten zeigen lassen. Also müssen Sie sich einfügen und gut mit zunächst fremden Leuten auskommen können. Das wird sich noch früh genug ändern und Sie werden als Au-Pair bestimmt nicht einsam sein.

Für jemanden, der gerne in ferne Länder reisen möchte, aber nicht das Budget dafür übrighat, ist die Idee, es als Granny-Au-Pair zu versuchen, absolut clever.
Über die Disziplin des Einsatzes als Granny-Au-Pair hinaus gibt es auch andere Möglichkeiten. Alle Opas aufgepasst! - Das Konzept 'Urlaub gegen Hand' entspricht diesem Vorhaben. Da wird erwartet, sowohl rüstig zu sein als auch möglichst handwerkliche Fähigkeiten mitzubringen. Schwingen Sie Ihren Schraubendreher und seien Sie jemandes neuer Held!

Zweifellos ist das Erleben eines anderen Landes intensiver, wenn man als Teil einer Familie zeitweilig darin den Alltag lebt. Überhaupt nicht zu vergleichen mit dem oberflächlichen Programm eines Touristen, selbst wenn man nicht verplant auf einer organisierten Pauschalreise unterwegs ist. Sie müssen sich aber im Klaren darüber sein, dass Sie auch anders behandelt werden als eine reguläre Touristen-Schneeflocke. Sie müssen als Au-Pair schon ein bisschen mehr aushalten können, denn in den Augen Ihrer Bekanntschaften vor Ort blättern die Vorrechte eines ausländischen Besuchers, oder Touristen, ganz schnell von Ihnen ab. Anders würde die Arbeit ja auch nicht funktionieren.

Dementsprechend können Sie sich auch nicht auf solcherlei Sonderrechte berufen;

Sie tragen als Au-Pair kein Schild um den Hals 'Ich bin Touristin, seid nachsichtig mit mir und meinem Fehlverhalten!'
Die Eindrücke sind wechselseitig. So wie Sie Ihre Gastgeber vermutlich als Repräsentanten des Landes ansehen, die Sie zu studieren gedenken, wird man Sie als 'Kulturbotschafterin' Ihres Heimatlandes betrachten, ob Sie damit einverstanden sind oder nicht - Sie repräsentieren zurück.
Noch viel mehr Tipps zum glücklichen Wirken und Bestehen als Granny-Au-Pair finden Sie, wie schon erwähnt, unterhaltsam aufbereitet im Buch 'Das Granny-Au-Pair Experiment'.